Weg mit Puppe, Auto und
Legosteinen Weiterbildung „Spielzeugfreier Kindergarten“ für
Kita-Erzieherinnen aus Jena und SHK
Am 13. Januar 2010 können
Erzieherinnen in der Integrativen Kita Schwabenhaus des Quer-Wege e.V. in Jena
das pädagogische Konzept „Spielzeugfreier Kindergarten“ kennen lernen. Inhalte
der ganztägigen Weiterbildung sind theoretische Hintergründe, Planung und
Umsetzung des Projektes in der Praxis, die Rolle der Erzieherin, Einbeziehung
der Eltern sowie die Einordnung in den Thüringer Bildungsplan.
Referentinnen sind Anke Protze (Diplompädagogin und Leiterin des
Schwabenhauses) und Ulrike Worm (Erzieherin und Spielpädagogin). Sie haben im
Sommer 2009 selbst für drei Monate das Projekt „Spielzeugfreier Kindergarten“
in der Kita Schwabenhaus verwirklicht. Interessierte Kita-MitarbeiterInnen
können sich anmelden unter 03641/ 61 70 72 und finden mehr Informationen auf www.quer-wege.de.
Barbiepuppen, Plüschtiere,
Feuerwehrautos – in der Weihnachtszeit wird der Überfluss an Spielzeug in den
Kinderzimmern besonders deutlich. „Viele Spielsachen vereinnahmen Kinder und
behindern das gemeinsame Spielen“, erklärt Kita-Leiterin Anke Protze die
Hintergründe des Projektes. „In der spielzeugfreien Zeit sollen Kinder eigene
Phantasie und Kreativität ausleben und sich wieder mehr auf sich selbst und die
anderen Kinder einlassen.“ Die Kinder sprechen mehr miteinander, argumentieren
und entwickeln gemeinsam Ideen. Das Projekt richtet sich nicht gegen Spielzeug.
Vielmehr sammeln die Kinder in einer begrenzten Zeit neue Erfahrungen ohne
Ablenkung und Animation.
In den drei Monaten wird nicht
nur Spielzeug, sondern auch Bastelmaterial, Papier und Stifte entfernt. „Am
Anfang haben wir bei vielen Kindern regelrechte ‚Entzugserscheinungen‘
beobachtet“, erzählt Anke Protze. „Aber als die Sucht nach dem herkömmlichen
Spielzeug überwunden war, haben die Kinder überlegt, was sie tun können.“ Aus
Tüchern wurden Bälle gebastelt, aus Kartons und Joghurtbechern entstand eine
Puppenstube und im Garten wurden Höhlen gebaut. Nach und nach entstand im
Außengelände eine Bewegungsbaustelle mit Autoreifen, Seilen und Brettern zum
Balancieren.
„Zwei Aspekte sind bei der
Durchführung des Projektes besonders wichtig: die veränderte Rolle der
Erzieherin und die intensive Elternarbeit“, betont Anke Protze. Die
Erzieherinnen sind Beobachterinnen. Sie machen keine Angebote, bieten keine
vorschnellen Lösungen sondern
unterstützen und begleiten die Kinder. Die Eltern werden in allen Phasen in das
Projekt einbezogen und können ihre Erfahrungen mit den Erzieherinnen
austauschen. Auch Großeltern können bei dem Projekt mitmachen und von den
Spielen ihrer Kindheit erzählen.
„Überall wird jetzt von
Investitionen in frühkindliche Bildung gesprochen“, sagt Anke Protze. „Mit
dieser Weiterbildung wollen wir Erzieherinnen ein Beispiel zeigen, wie dieser
Anspruch mit überschaubaren Mitteln umgesetzt werden kann.“