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Pressemitteilung vom 9.12.2009


Weg mit Puppe, Auto und Legosteinen
Weiterbildung  „Spielzeugfreier Kindergarten“ für Kita-Erzieherinnen aus Jena und SHK


Am 13. Januar 2010 können Erzieherinnen in der Integrativen Kita Schwabenhaus des Quer-Wege e.V. in Jena das pädagogische Konzept „Spielzeugfreier Kindergarten“ kennen lernen. Inhalte der ganztägigen Weiterbildung sind theoretische Hintergründe, Planung und Umsetzung des Projektes in der Praxis, die Rolle der Erzieherin, Einbeziehung der Eltern sowie die Einordnung in den Thüringer Bildungsplan. 

Referentinnen sind Anke Protze (Diplompädagogin und Leiterin des Schwabenhauses) und Ulrike Worm (Erzieherin und Spielpädagogin). Sie haben im Sommer 2009 selbst für drei Monate das Projekt „Spielzeugfreier Kindergarten“ in der Kita Schwabenhaus verwirklicht. Interessierte Kita-MitarbeiterInnen können sich anmelden unter 03641/ 61 70 72 und finden mehr Informationen auf www.quer-wege.de.

Barbiepuppen, Plüschtiere, Feuerwehrautos – in der Weihnachtszeit wird der Überfluss an Spielzeug in den Kinderzimmern besonders deutlich. „Viele Spielsachen vereinnahmen Kinder und behindern das gemeinsame Spielen“, erklärt Kita-Leiterin Anke Protze die Hintergründe des Projektes. „In der spielzeugfreien Zeit sollen Kinder eigene Phantasie und Kreativität ausleben und sich wieder mehr auf sich selbst und die anderen Kinder einlassen.“ Die Kinder sprechen mehr miteinander, argumentieren und entwickeln gemeinsam Ideen. Das Projekt richtet sich nicht gegen Spielzeug. Vielmehr sammeln die Kinder in einer begrenzten Zeit neue Erfahrungen ohne Ablenkung und Animation.

In den drei Monaten wird nicht nur Spielzeug, sondern auch Bastelmaterial, Papier und Stifte entfernt. „Am Anfang haben wir bei vielen Kindern regelrechte ‚Entzugserscheinungen‘ beobachtet“, erzählt Anke Protze. „Aber als die Sucht nach dem herkömmlichen Spielzeug überwunden war, haben die Kinder überlegt, was sie tun können.“ Aus Tüchern wurden Bälle gebastelt, aus Kartons und Joghurtbechern entstand eine Puppenstube und im Garten wurden Höhlen gebaut. Nach und nach entstand im Außengelände eine Bewegungsbaustelle mit Autoreifen, Seilen und Brettern zum Balancieren. 

„Zwei Aspekte sind bei der Durchführung des Projektes besonders wichtig: die veränderte Rolle der Erzieherin und die intensive Elternarbeit“, betont Anke Protze. Die Erzieherinnen sind Beobachterinnen. Sie machen keine Angebote, bieten keine vorschnellen Lösungen  sondern unterstützen und begleiten die Kinder. Die Eltern werden in allen Phasen in das Projekt einbezogen und können ihre Erfahrungen mit den Erzieherinnen austauschen. Auch Großeltern können bei dem Projekt mitmachen und von den Spielen ihrer Kindheit erzählen.

„Überall wird jetzt von Investitionen in frühkindliche Bildung gesprochen“, sagt Anke Protze. „Mit dieser Weiterbildung wollen wir Erzieherinnen ein Beispiel zeigen, wie dieser Anspruch mit überschaubaren Mitteln umgesetzt werden kann.“


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